Dort wo Struktur auf Freiheit trifft

Mein Name ist Nikolaj Schmid

 ich Lebe in der Schweiz und bin im Jahr 2003 Geboren.

Meine Arbeit entsteht dort, wo Struktur auf Freiheit trifft – in dem Moment, in dem Regeln anfangen zu sprechen. Think out of the box ist für mich kein Konzept, sondern ein Zustand, der mich seit meiner Schulzeit begleitet und mein Denken bis heute prägt.

Meine Schulzeit war für mich kein leichter Ort. Regeln ergaben für mich schon als Kind oft keinen Sinn. Sie fühlten sich weniger wie Orientierung an, sondern wie starre Vorgaben ohne Raum für Fragen. Dort lernte ich früh, dass Regelbruch als etwas grundsätzlich Schlechtes gilt – unabhängig davon, aus welchem Bedürfnis oder aus welcher Haltung heraus er entsteht. Diese Erfahrung hinterliess Spuren und legte den Grundstein für eine innere Spannung, die mich lange begleitete.

Nach der Schule führte mich mein Weg in eine Ausbildung als Fachmann Betreuung. Dort begann ich zu begreifen, dass Regeln nicht nur begrenzen, sondern auch bewegen können. Ich lernte, sie bewusst zu dehnen, neu zu lesen und als Werkzeug einzusetzen, um Raum zu schaffen: für individuelle Bedürfnisse, für Menschlichkeit und für echte, ungeplante Lebensfreude. Die grössten Spannungen entstanden dabei nicht im Aussen, sondern in mir selbst – und genau aus diesem inneren Ringen formte sich nach und nach meine künstlerische Sprache.

Heute arbeite ich vorwiegend mit Acryl, doch ich weigere mich, dem Material einen festen Platz zuzuweisen. Holz, Fäden, Acryl und vieles mehr finden ihren Weg in meine Arbeiten, wenn der Prozess es verlangt. Materialien sind für mich keine Mittel zum Zweck, sondern Mitspieler. Sie bestimmen den Weg nicht – sie eröffnen ihn.

Bevor die Leinwand zu meinem Raum wurde, war es der öffentliche Raum. Mein Zugang zum Graffiti entsprang demselben inneren Drang: denken ohne Sicherheitsnetz. Draussen werden Regeln nicht erklärt, sondern gespürt. Jede Entscheidung trägt Verantwortung, jede Linie Haltung. Graffiti wurde für mich zum sichtbaren Spiel mit Grenzen – ein radikales out of the box, das nicht fragt, ob es erlaubt ist, sondern ob es ehrlich ist.

Meine Arbeiten erzählen von diesem Weg. Sie handeln vom bewussten Überschreiten von Denk- und Wahrnehmungsgrenzen, vom Mut, Systeme nicht einfach zu akzeptieren, sondern sie neu zu denken. Das Spiel mit Regeln ist dabei keine Provokation, sondern ein Ausdruck von Klarheit, Eigenverantwortung und einem starken inneren Kompass.